• Sandra

SÄE LIEBE

Ich liebe mich, ich liebe mich nicht, ich liebe mich, ich liebe mich nicht.... ich liebe mich nicht.



Jeden Tag kämpfe ich gegen mich selbst. Ich trete meiner größten Kritikerin gegenüber und lasse zu, dass sie mich vernichtet – mich klein redet und wertlos macht. Ich werde mit dem Gefühl des Scheiterns und des Nicht-gut-genug-Seins zurückgelassen. Meist sind es die kleinen, kurzen Momente, Dinge, die ich sage, die Art, wie ich mich verhalte, die mich zum Zweifeln bringen. Mich zermürbend hinterfragen lassen, ob das nun richtig war. Habe ich etwas Falsches gesagt, falsch reagiert, falsch geschaut, mich falsch verhalten, falsch, falsch, falsch.

Wenn ich von außen den Blick auf mich richte, sehe ich doch eine zuversichtliche, leidenschaftliche Empathin. Doch sie schafft es leider nicht, sich selbst so anzunehmen, wie sie ist – mit all ihren Fehlern und Versäumnissen.


Der Herbst trägt seinen Teil dazu bei, dass ich mich in den Nebel meiner Gedanken versinke und mich dem unnachsichtigen Tadel meiner Selbst übergebe. Ich liebe mich nicht. Ich fühle es schon lange, manchmal stärker, manchmal schwächer, doch erst ein trauriges Ereignis hat mich dazu gebracht, mich mit meinem missbilligenden Ich zu konfrontieren.

Es begann als ein lieber Mensch gehen musste und ich alle Abschiede, alle Trennungen und Verluste in meinem Leben zu reflektieren begann. Ich wurde dazu gezwungen – hatte keine Wahl. Denn ich konnte diese Gedanken nicht mehr länger im Zaum halten – sie nicht länger ruhig stellen. Und mir wurde schließlich klar, dass ich Dinge, die passieren, einfach nicht akzeptieren kann – nicht akzeptieren will. Für mich gibt es nichts Gutes an einem Abschied, der nicht gewollt ist. Ich entdecke keinen wegweisenden Pfad in die Zukunft und die Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit kann die Trauer über den Verlust nicht überwinden. In dem Wort Akzeptanz steckt für mich die Bedeutung des Lebewohls – ein Abschied für immer - ein Ende. Ein Ende, das mit voranschreitender Zeit einem Verblassen der Erinnerungen, einem Vergessen weicht. Davor habe ich Angst. Ich will nicht vergessen. Stattdessen zieht mich die Trauer in ihren Bann – meist unvorhergesehen und plötzlich. Ja, ich weiß, in jedem Ende steckt auch die Chance des Neubeginns. Aber diese Art von Kalenderspruch kann die eigentliche Tiefe kaum begreifen. Ich möchte mich nicht mit Plänen des Neubeginns ablenken, sondern zuerst lernen, das Ende ehrlich zuzulassen. Dies kann mir wohl kaum meine Angst vor Verlust nehmen. Dennoch haben mich diese Ereignisse dahin geleitet, tatsächlich zu erkennen, dass die Akzeptanz ihren Ursprung in mir selbst hat. Es fällt mir häufig schwer die Art, wie ich bin, zu akzeptieren. Wie kann ich dann erst Dinge, die passieren, annehmen? Ich suche schließlich den Mut zu akzeptieren, dass es mir so schwer fällt, zu akzeptieren. Ja, jetzt wird’s erst richtig kompliziert. Willkommen im Kopf der Sandra.


In meinen Kursen spreche ich von der Schönheit des Körpers. Wie wir das Strahlen von innen nach außen tragen und uns dabei achtsam und freundlich selbst begegnen. Ich predige Dinge, an denen ich selbst sehr häufig scheitere - freundlich und nachsichtig mit mir selbst zu sein. Ich möchte mich selbst ehrlich lieben. Immerhin bin ich überzeugt davon, dass wenn ich mich selbst annehme, noch viel tiefere Sphären an Liebe für andere Platz findet. Ich weiß aber auch, dass es keinen Weg nach vorne gibt, ohne mich selbst zu lieben. Nun stehe ich also hier, will mich selbst mögen, kann es aber nicht. Kann man lernen, sich selbst zu lieben? Ich weiß es nicht – aber ich weiß, dass Liebe wachsen kann. Also versuche ich eine Ecke an mir zu finden, die ich sympathisch finde und starte von hier. Stets mit dem Anspruch, dass ich die richtige Dosis an Selbstliebe finde, um die Gabe der Reflexion nicht zu verlieren. Liebe kann wachsen, mein Charakter auch.


in Liebe

Sandra

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